Ciao Auffrischungsimpfung – neue Impftechnologie für langanhaltenden Schutz
Shownotes
Am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung untersuchen Wissenschaftler:innen die Mechanismen von Infektionskrankheiten und ihrer Abwehr. Die Ergebnisse der Grundlagenforschung entwickeln wir systematisch in Richtung medizinischer Anwendung. Zu den wissenschaftlichen Fragestellungen, die wir bearbeiten, gehören:
- Was macht Bakterien oder Viren zu Krankheitserregern?
- Warum sind manche Menschen besonders empfindlich, andere dagegen widerstandsfähig gegenüber Infektionen?
- Wie können wir in Infektionsprozesse eingreifen?
- Wie übertragen wir unsere Erkenntnisse auf die Anwendung beim Menschen?
Zur Klärung solcher Fragen untersuchen wir Erreger, die medizinisch relevant sind oder die als Modell für die Erforschung von Infektionen genutzt werden können. Das Verständnis dieser Mechanismen wird dazu beitragen, Infektionskrankheiten durch neue Medikamente und Impfstoffe zu bekämpfen. Ziele
Aufgabe des Zentrums ist es, zur Bewältigung der Herausforderungen beizutragen, die Infektionskrankheiten im 21. Jahrhundert an Medizin und Gesellschaft stellen. Seine Forschungsschwerpunkte hat das HZI im Programm Infektionsforschung festgelegt. Das Programm legt besonderes Gewicht auf den Transfer von Forschungsergebnissen in die Anwendung, auf die individualisierte Infektionsmedizin und die Anwendung von Informations- und Datentechnologien für die Infektionsforschung.
Wenn ihr mehr über das HZI erfahren wollt, dann schaut doch einmal im Netz unter www.helmholtz-hzi.de vorbei.
Transkript anzeigen
00:00:02: Haben Sie schon einen Termin für Ihre Auffrischimpfung?
00:00:05: So schallt es jeden Herbst erneut von Plakaten oder vom
00:00:09: Tresen der Hausarztpraxen, an denen die Arzthelferinnen Termine jonglieren.
00:00:12: Dann muss man koordinieren.
00:00:13: Okay, wann kann ich mir jetzt einen Tag frei
00:00:16: nehmen, falls die Immunreaktion auf die Impfung mich ausknockt.
00:00:20: Denn die Grippeimpfung hält, wenn überhaupt, nur eine Saison.
00:00:23: Das Virus entwickelt sich munter weiter, so dass
00:00:26: unser Immunsystem wieder von vorne anfangen muss.
00:00:28: Das ist nicht nur nervig, sondern bedeutet auch für
00:00:31: das Gesundheitssystem einen enormen Aufwand und hohe Kosten.
00:00:34: Wäre das nicht super, wenn es einen
00:00:37: Impfstoff gäbe, der das obsolet macht?
00:00:39: Der einfach dafür sorgt, dass man über Jahre geschützt ist?
00:00:42: Ein Traum.
00:00:43: Und den hat Dr.
00:00:44: Henning Jacobsen zum Teil schon wahr werden lassen.
00:00:47: In der Arbeitsgruppe Virale Immunologie von Professor Luka Cicin-Sain
00:00:50: erforscht er, wie wir in Zukunft möglichst lange
00:00:53: Schutz durch nur eine einzige Impfung haben könnten.
00:00:56: Was dabei hilft?
00:00:57: Ein Mäusevirus.
00:00:58: Klingt paradox.
00:00:59: Dann hört mal genau zu.
00:01:01: Denn er wird es uns in dieser Folge erklären.
00:01:04: Und wir hören heute nicht nur unsere zwei Stimmen,
00:01:08: sondern auch die von Hennings Projektpartner Casper Silvis.
00:01:11: Na dann: Let's dive deep.
00:01:13: Wie lösen Bakterien und Viren Krankheiten aus?
00:01:15: Wie wehrt sich unser Immunsystem dagegen?
00:01:18: Und was müssen Wirkstoffe können, um gefährliche Infektionen zu bekämpfen?
00:01:22: Am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, kurz HZI, wird
00:01:25: nach Antworten auf diese Fragen gesucht.
00:01:28: Wie diese Forschung funktioniert.
00:01:30: Wie die Ergebnisse in der Medizin genutzt werden
00:01:33: und wer die Menschen sind, die hier forschen.
00:01:37: Das hört ihr hier bei InFact,
00:01:40: dem Podcast des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung.
00:01:43: Ich bin Julia Demann, Biologin und Wissenschaftsjournalistin.
00:01:46: Hi.
00:01:47: Ja, wir sitzen uns hier remote quasi gegenüber.
00:01:51: Ich sitze in Köln und du?
00:01:53: Henning sitzt in Braunschweig, Richtig?
00:01:55: Ganz genau.
00:01:55: In deinem Büro.
00:01:57: Genau.
00:01:57: Ja.
00:01:57: Ich freue mich, dass wir jetzt miteinander sprechen können.
00:02:01: Dr.
00:02:01: Henning Jacobsen.
00:02:02: Henning, du entwickelst ja Impfstoffe gegen Viren, die unsere Atemwege befallen.
00:02:06: Also gibt es ja auch schon.
00:02:08: Natürlich einige gegen Grippe, gegen COVID-19 und
00:02:11: jetzt eben auch gegen das Respiratorische Synzytial-Virus.
00:02:13: Was willst du denn an diesen Impfstoffen besser machen?
00:02:16: Ja, was uns besonders wichtig ist, ist, dass wir
00:02:19: langanhaltenden Schutz vermitteln wollen mit nur einer einzigen Impfung.
00:02:22: Jeder kennt es, vor allem die Eltern unter uns, die
00:02:26: mit den Kindern sehr, sehr häufig zum Arzt laufen,
00:02:29: um noch eine und noch eine Auffrischung zu organisieren.
00:02:32: Da ist es tatsächlich unser Ziel, dafür zu sorgen, dass es
00:02:36: in Zukunft Impfstoffe geben wird, mit dem man nur einmal
00:02:39: impfen muss und dann mit dem Thema quasi durch ist.
00:02:42: Krass.
00:02:43: Also ich meine, das kennt man ja bisher von ganz,
00:02:46: ganz wenigen Impfungen, eigentlich nur gerade bei diesen Atemwegsimpfungen.
00:02:49: Ich kenne das auch.
00:02:50: Dann einmal im Jahr irgendwie die Grippeimpfung abholen.
00:02:52: Aber warum ist das denn eigentlich so?
00:02:54: Warum wirken die bisherigen Impfstoffe nicht so lange?
00:02:57: Und was müsst ihr dann machen,
00:02:59: damit so eine Impfung länger schützt?
00:03:01: Ja, das ist natürlich eine Frage, die
00:03:03: sich gar nicht so einfach beantworten lässt.
00:03:05: Man muss ein bisschen differenzieren.
00:03:07: Die meisten Impfstoffe bieten schon relativ langfristigen Schutz, wenn
00:03:09: es darum geht, uns vor schweren Erkrankungen oder
00:03:12: im schlimmsten Fall sogar dem Tod zu schützen.
00:03:14: Das haben wir auch bei COVID-Impfstoffen wirklich gut gesehen.
00:03:17: Was die meisten Impfstoffe aber nicht so gut können, ist
00:03:20: vor einer Ansteckung zu schützen und von einer leichten Erkrankung.
00:03:23: Und das ist in den meisten Fällen auch total in Ordnung.
00:03:26: Aber gerade bei COVID sind die Leute da schon
00:03:30: nervös geworden, weil man natürlich andauernd testen musste
00:03:33: und wirklich jede kleine Infektion auch mitbekommen hat.
00:03:35: Und daher muss man unterscheiden zwischen der sogenannten Effektor-Immunität, also
00:03:39: der Fähigkeit unseres Körpers, Erkrankung wirklich sofort auf der Stelle
00:03:43: zu bekämpfen, sodass wir gar nicht erst krank werden und
00:03:46: dem Immungedächtnis, das sehr viel länger hält, aber auch ein
00:03:50: bisschen Anlaufzeit braucht und dementsprechend eher in der Lage ist,
00:03:54: Infektionen zu bekämpfen, nachdem sie schon im Körper sind.
00:03:57: Und diese Unterscheidung ist an der Stelle ganz wichtig.
00:04:00: Was das Problem ist, ist, dass die meisten Impfstoffe
00:04:04: unserem Körper beibringen sollen, wie man die Infektion bekämpft.
00:04:07: Es werden also sogenannte Antigene, Bestandteile von diesen Erregern
00:04:10: in unseren Körper gebracht, damit unser Körper mit
00:04:13: diesen Antigen trainieren kann, den Erreger zu bekämpfen.
00:04:16: Und diese Antigene, diese Trainingsdaten, die gehen irgendwann verloren.
00:04:20: Die werden verimpft, sind in unserem Körper interagieren
00:04:23: mit unserem Immunsystem, werden aber auch abgebaut.
00:04:26: Und wenn die weg sind, kann
00:04:28: unser Körper nicht mehr aktiv trainieren.
00:04:31: Und dieser sogenannte Effektor-Immunschutz geht verloren.
00:04:33: Was dann kommt, ist eben das Immungedächtnis.
00:04:36: Und was wir mit unserer Technologie machen wollen, ist ein eine
00:04:40: Technologie zu entwickeln, die die Antigene dauerhaft in unserem Körper
00:04:45: hält, so dass unser Körper immer damit trainieren kann und
00:04:49: dadurch eben diese Effektor-Immunität über einen sehr langen Zeitraum stärken.
00:04:53: Und das macht er ja mit einem bestimmten Mäusevirus, dem Zytomegalievirus.
00:04:57: Und warum macht uns das nicht krank,
00:05:00: obwohl es eben auch unser Immunsystem anregt?
00:05:03: Wie funktioniert das?
00:05:04: Ja, das ist natürlich genau die spannende Frage, die mein Abteilungsleiter,
00:05:09: mein Professor Luka Cicin-Sain, über die letzten 20 Jahre erforscht hat.
00:05:13: Und die Idee ist auf den ersten Blick recht trivial.
00:05:18: Wenn man als Immunologe dafür sorgen möchte, dass etwas für
00:05:21: immer im Körper bleibt, dann hat man die Herpesviren.
00:05:23: Herpesviren sind ja dafür bekannt, dass man sie nicht wieder loswird.
00:05:27: Eigentlich eine sehr unangenehme Eigenschaft.
00:05:28: Wenn man aber darüber nachdenkt, dass man diese
00:05:31: Eigenschaft auch für Impfstoffe nutzen könnte, dann sieht
00:05:33: die Geschichte schon ein bisschen anders aus.
00:05:35: Und genau das ist die zugrunde liegende
00:05:38: Idee, die auch nicht ganz neu ist.
00:05:40: Man verfolgt schon seit längerem die Idee,
00:05:42: Impfstoffe zu konstruieren, basierend auf Herpesviren.
00:05:44: Da würde man eben die Menschen infizieren und sie
00:05:48: würden diesen Herpesvirus für immer oder zumindest sehr lange
00:05:51: im Körper behalten und einen langfristigen Impfschutz aufbauen.
00:05:54: Allerdings, und das darf man nicht vernachlässigen, sind die
00:05:57: meisten Menschen, mit denen ich spreche, nicht sonderlich begeistert
00:06:00: von der Idee, mit einem Herpesvirus infiziert zu werden.
00:06:04: Will ich auch nicht, genau und während Herpesviren in
00:06:07: den meisten Fällen bei gesunden Menschen relativ ungefährlich sind,
00:06:11: können sie tatsächlich auch zu schweren Erkrankungen führen.
00:06:14: Zum Beispiel bei Schwangeren.
00:06:15: Für Schwangere sind Zytomegalieviren sehr gefährlich oder auch bei Menschen,
00:06:19: die eine Beeinträchtigung des Immunsystems haben oder nach Transplantationen.
00:06:23: Deswegen ist das doch nicht so trivial.
00:06:25: Und was wir hier machen, das ist so ein
00:06:29: bisschen der Kern unserer Idee ist, dass wir kein
00:06:32: menschliches Herpesvirus nutzen, sondern ein Herpesvirus aus der Maus.
00:06:36: Und dieses Virus, das weiß man schon seit
00:06:39: Jahrzehnten, ist für den Menschen komplett sicher.
00:06:41: Also wir werden nicht krank.
00:06:43: Und was wir aber gezeigt haben, ist, dass das Virus
00:06:47: uns zwar nicht krank macht, uns aber trotzdem infizieren kann.
00:06:50: Das wissen wir.
00:06:51: Und was wir vermuten, ganz bewiesen haben wir es noch nicht.
00:06:55: Aber wir vermuten, dass diese Mausherpesviren auch in
00:06:58: unserem Körper die sogenannte Latenz etablieren können.
00:07:01: Das heißt, sie bleiben für immer oder
00:07:03: zumindest sehr, sehr lange in unserem Körper.
00:07:06: Und da kommen jetzt die beiden Enden zusammen.
00:07:09: So hätten wir also ein sicheres Herpesvirus, der uns nicht
00:07:13: krank machen kann, aber gleichzeitig unser Immunsystem langfristig trainieren kann.
00:07:16: Spannend.
00:07:17: Sehr, sehr, sehr spannend.
00:07:18: Aber was ich mich noch frage ist es ist ja
00:07:22: trotzdem so, dass man eigentlich so Antikörper irgendwie mit
00:07:25: der Zeit oder auch Abwehrzellen dann doch schwächer werden.
00:07:29: Passiert das hier dann wirklich nicht.
00:07:31: Das ist genau die Idee.
00:07:33: Also es soll am Ende so funktionieren, dass diese rekombinanten
00:07:37: Herpesviren, das heißt, wir nehmen das Herpesvirus, bauen ein
00:07:40: Antigen ein, zum Beispiel von dem Respiratorischen Synzytial-Virus oder
00:07:44: vom SARS-CoV-2-Virus und infizieren damit dann später die Menschen.
00:07:47: Dieses Virus geht dann in Latenz, das heißt, es versteckt
00:07:51: sich in unseren Zellen und es wird immer wieder versuchen,
00:07:55: aus diesen Zellen herauszuwachsen und uns krank zu machen.
00:07:58: Das kann es aber eben nicht.
00:08:01: Und was es stattdessen macht, ist, dass es
00:08:03: diese Antigene produziert und unserem Körper präsentiert.
00:08:06: Über eine sehr, sehr lange Zeit.
00:08:08: Und wie schon gesagt hatte, der
00:08:10: Beweis, dass das im Menschen funktioniert.
00:08:12: Der steht natürlich noch aus.
00:08:14: Aber wir haben Versuche gemacht, wo wir wirklich
00:08:16: indirekte Evidenz im Hamstermodell zum Beispiel erzeugt haben.
00:08:19: Hier konnten wir zeigen, dass sechs Monate nach einer
00:08:23: einzelnen Impfung immer noch eine ganz starke Immunität vorliegt.
00:08:26: Das heißt, die Antikörper und die sogenannten CD8-T-Zellen, die
00:08:30: Viren oder infizierte Zellen direkt bekämpfen können, die waren
00:08:34: noch da und wir mussten nicht das Gedächtnis im
00:08:37: System anregen, als wir diese Tiere infiziert haben.
00:08:40: Das Virus wurde direkt bekämpft.
00:08:42: Richtig cool.
00:08:44: Eine Frage habe ich dazu noch, weil
00:08:46: natürlich fragt man sich so ein bisschen.
00:08:48: Du hast jetzt gesagt, eigentlich macht es uns Menschen nicht krank.
00:08:52: Aber man hat ja auch immer wieder, auch gerade
00:08:55: während der COVID-Pandemie von Mutationen gehört und davon, dass
00:08:58: die für das Tier spezifisch sind, dass die sich
00:09:01: eben natürlich an den Menschen auch anpassen können.
00:09:04: Besteht hier nicht auch die Gefahr, dass das passieren kann?
00:09:07: Gerade wenn das Virus dann schon im Körper drin ist?
00:09:10: Das ist eine richtig gute Frage.
00:09:12: Einmal so ein bisschen zu differenzieren und um sicherzustellen.
00:09:15: Wir reden jetzt nicht über den Vektor, sondern
00:09:18: über die Viren, gegen die wir impfen.
00:09:20: Nein, ich denke tatsächlich an den Vektor.
00:09:22: Also ich denke an das Virus.
00:09:24: Genau das ist auch eine gute Frage, die wir tatsächlich
00:09:27: auch von den regulatorischen Behörden so schon bekommen haben.
00:09:30: Das heißt, wir sprechen schon mit dem
00:09:32: Paul-Ehrlich-Institut, um so ein bisschen zu planen.
00:09:35: Welche Entwicklungsschritte müssen wir machen, damit unser
00:09:37: Impfstoff später Menschen getestet werden darf?
00:09:39: Das ist ganz, ganz wichtig.
00:09:40: Und da kommen so grundsätzliche Fragen
00:09:42: Wie kann das Virus zum Beispiel.
00:09:44: Es ist ein DNA Virus.
00:09:46: Kann das mit unserer DNA rekombinieren?
00:09:48: Kann sich das in unser Genom einbauen?
00:09:50: Die Frage kam, die konnten wir im Labor beantworten
00:09:53: und zeigen, dass das nicht der Fall ist.
00:09:56: Und eine Frage, die mehr auch in deine Richtung
00:09:58: geht, ist, was passiert, wenn man gleichzeitig mit
00:10:01: dem Maus- und einem menschlichen Herpesvirus infiziert ist?
00:10:04: Können die sich zum Beispiel vermischen und Zombie Viren herstellen?
00:10:07: Und auch das konnten wir tatsächlich widerlegen.
00:10:10: Und das hat damit zu tun, dass diese Viren tatsächlich sehr,
00:10:14: sehr, sehr unterschiedlich sind, obwohl sie quasi miteinander verwandt sind.
00:10:17: Und die Ursache hier ist, dass diese
00:10:20: Viren seit Jahrmillionen mit ihren Wirten evolvieren.
00:10:22: Das heißt, das Mausvirus ist schon seit sehr sehr
00:10:26: langer Zeit ausschließlich in der Maus und das
00:10:29: findet sich im menschlichen Körper wirklich nicht zurecht.
00:10:32: Unser Immunsystem reagiert hervorragend auf dieses Virus.
00:10:34: Deswegen funktioniert der Impfstoff auch so gut und das
00:10:37: gibt dem Virus tatsächlich keine Möglichkeit zu mutieren.
00:10:40: Für Mutationen muss ein Virus sich immer vermehren.
00:10:43: Also die Viren unterliegen auch der Evolutionstheorie und
00:10:46: Vermehrung ist immer eine Notwendigkeit für Evolution.
00:10:49: Und diese Vermehrung kann in Menschen nicht stattfinden.
00:10:52: Das ist glaube ich eine ganz, ganz wichtige Info.
00:10:55: Also es gibt eben diese Latenz, ja, aber es findet
00:10:59: eben keine Replikation statt, sodass auch keine Mutation stattfinden kann.
00:11:03: Finde ich persönlich sehr beruhigend und
00:11:06: bin weiter ganz ganz interessiert daran.
00:11:08: Du hast noch jemanden mitgebracht, nämlich Casper
00:11:11: Silvis, einen Projektpartner in dem Projekt ENDURIVAC.
00:11:14: Also wortwörtlich übersetzt langanhaltende Impfung.
00:11:16: Genau das, woran ihr forscht.
00:11:18: Und welche Rolle hat denn jetzt Casper in deinem Projekt?
00:11:22: Ja, Casper ist tatsächlich mein antizipierter Mitgründer.
00:11:25: Wir haben nämlich vor, ein Startup zu gründen,
00:11:27: auch noch mit unseren beiden Professoren zusammen.
00:11:30: Luka Cicin-Sain und Kathrin de la Rosa.
00:11:32: Und Casper wird sich ja gleich noch
00:11:35: ein bisschen über sein Fachgebiet sprechen.
00:11:37: Auf jeden Fall ist es so, dass wir uns zu
00:11:40: viert zusammengetan haben, um diese Technologie, die wir zu entwickeln,
00:11:44: wirklich ins Leben zu bringen in Form eines Spin-offs.
00:11:47: Und da das eine Reise ist, die überwältigend ist,
00:11:51: überwältigend spannend, aber auch überwältigend fordernd, haben wir uns
00:11:54: entschieden, da noch jemand mit an Bord zu holen.
00:11:58: Und das ist der Casper, der mich da
00:12:01: unterstützt, der Kathrin und Luka auch mit unterstützt.
00:12:05: Casper, schön, dass ich auch mit dir heute sprechen kann.
00:12:09: Also welche Möglichkeiten bietet denn eure Impfstofftechnologie?
00:12:12: Ja, Henning hat gut erzählt von von dem Vektor-Technologie.
00:12:15: Wir entwickeln zwei Technologien und bringen die zusammen.
00:12:19: Der Vektor ist der Träger für den
00:12:22: Impfstoff, aber jeder Impfstoff benötigt außerdem Antigene.
00:12:25: Henning hat darüber schon kurz was gesagt und ich
00:12:29: beschäftige mich mit einem Aspekt von Impfstoff-Antigenen, der
00:12:32: oft übersehen wird und versuche, ihn zu verbessern.
00:12:35: Lass mich versuchen zu erklären.
00:12:37: Die meisten Antigene können sich auf natürliche Weise an Strukturen
00:12:42: in deinem eigenen Körper binden, zum Beispiel an Rezeptoren.
00:12:45: Diese Rezeptoren können Teile des Antigens verdecken, die
00:12:49: für die Erkennung durch Antikörper entscheidend sein könnten.
00:12:53: Ein weiterer Punkt ist, dass eine Wechselwirkung zwischen den
00:12:57: Antigenen und den Rezeptoren zu unerwünschten Nebenwirkungen führen könnte.
00:13:01: Wir möchten die Impfstoff-Antigene demaskieren, damit sie sicherer
00:13:04: sind und dem Immunsystem zur Verfügung stehen?
00:13:08: Deshalb entwickeln wir systematisch Antigene, die nicht an Rezeptoren
00:13:12: binden, während sie gleichzeitig von schützenden Antikörpern erkannt werden.
00:13:16: Insbesondere beim MCMV, das ein Antigendepot aufbaut, welches im
00:13:20: Laufe der Zeit große Mengen an Antigenen produziert, ist
00:13:23: es wichtig, ein möglichst sicheres Antigen zu haben.
00:13:27: Deshalb freuen wir uns so sehr auf die Zusammenarbeit.
00:13:30: Wie weit seid ihr denn eigentlich mit der Entwicklung
00:13:33: und wie wollt ihr das dann auch irgendwann?
00:13:36: Also ich wollte ein Startup gründen, Wie
00:13:38: wollt ihr das in die Anwendung bringen?
00:13:41: Der Impfstoff, der wie hier gemeinsam entwickeln, richtet sich gegen
00:13:44: RSV, dass ja vor allem ältere Menschen und Kleinkinder befällt.
00:13:48: Es nutzt MCMV als Vektor Und wir entwickeln und
00:13:51: testen derzeit Konzepte für sichere und bessere Antigene.
00:13:53: Und wenn ich dir sage, muss ich unbedingt
00:13:57: auch noch wunderbaren Kollegen Elisa und Imre erwähnen,
00:14:00: die ebenfalls wichtige Teammitglieder sind in diesem Projekt.
00:14:03: Aber zurück zur Frage Wir Ja, wir haben mit den regulatorischen
00:14:08: Behörden dem Paul-Ehrlich-Institut gesprochen, um zu erfahren, was sie erwarten, bevor
00:14:12: wir den Impfstoff in den klinischen Phase eins bringen können.
00:14:17: Daraus ergab sich der Plan.
00:14:19: Wir werden unseren verbesserten Impfstoff bald in relevanten Tiermodellen testen
00:14:23: und dabei einen Vergleich mit bereits verfügbaren Impfstoffen anstellen.
00:14:27: Vor allem werden wir die Dauerhaftigkeit der schützenden Immunantwort untersuchen.
00:14:32: Und auf diese Weise stellen wir sicher, dass unser Impfstoff sicherer
00:14:37: und besser ist, bevor wir in die klinische Studie gehen und
00:14:42: unsere Arbeit in die Praxis umzusetzen, wollen wir hier in
00:14:47: Braunschweig ein Spin off Biotech-Unternehmen gründen namens ENDURIVAC und liebsten
00:14:52: so bald wie möglich hier im Inkubator auf dem HZI-Campus.
00:14:56: Ich freue mich wirklich darauf, gemeinsam mit Henning aufzubauen und auch
00:15:00: mit den anderen Mitgründern unsere verschiedenen Projekte zu leiten und
00:15:03: durch die Ergänzungen von Hennings Fachwissen sicherzustellen, dass wir die
00:15:07: wirksamsten und sichersten Impfstoffe in die klinische Anwendung bringen können.
00:15:10: Ja, es ist auf jeden Fall ein großes Vorhaben.
00:15:13: Aber ihr seid ja auch schon echt richtig, richtig weit damit.
00:15:17: Also ich bin sehr gespannt, was daraus wird.
00:15:20: Du hast es gerade schon gesagt, Also ihr habt noch
00:15:23: weitere Partner in dem Projekt und auch für dieses Spin-off.
00:15:26: Ich kann hier vielleicht an dieser Stelle sagen,
00:15:28: Kathrin de la Rosa ist glaube ich deine.
00:15:31: Die Professorin, bei der du in deren Arbeitsgruppe du bist.
00:15:34: Mit ihr habe ich in Folge acht von Staffel eins gesprochen.
00:15:37: Sehr, sehr spannend.
00:15:38: Was gibt es, welche Partner gibt es
00:15:40: noch und welche Aufgaben übernehmen die Partner?
00:15:43: Also wir haben Partner wie Experten und
00:15:46: auch für die verschiedenen relevanten Tiermodelle.
00:15:49: Ich möchte gerne nennen die Partner an den Tierärztlichen Hochschule Hannover,
00:15:54: Maren von Fritz Blick, Wede Matten, Lutlow und Guus Rimmelzwaan und
00:16:00: auch das Deutsche Primatenzentrum Wichtig zu nennen ist Nadine Krüger.
00:16:04: Und außerdem haben wir auch jemanden gefunden,
00:16:08: der uns auf der Businessseite unterstützen wird.
00:16:11: Jemanden mit Erfahrung im Aufbau von Biotech-Unternehmen Henrik Und
00:16:16: außerdem, als haben wir auch noch einen hervorragenden Beirat.
00:16:20: Antonio De Maria, Dolores Knoll, Hartmut Hengel und Carlos
00:16:24: Guzman, die auch vom HZI und SLS Europe ein
00:16:28: weiteres Spin-off des HZI, bietet uns zu den
00:16:31: Beratungen zur Geschäftsentwicklung, speziell im Bereich der Impfstoffentwicklung.
00:16:34: Das heißt, da steht doch ein
00:16:37: sehr, sehr, sehr großes Team dahinter.
00:16:39: Vielen, vielen Dank auf jeden Fall.
00:16:42: Casper, war bis hierhin das.
00:16:44: Jetzt hab ich mir mal so einen kleinen
00:16:47: Überblick bekommen, was da eigentlich alles hinter steckt.
00:16:51: Also wirklich ein Riesending, was ihr da vorhabt
00:16:54: und wo ihr auch schon dran seit.
00:16:56: Vielen Dank Henning.
00:16:58: Wenn ich jetzt an die Grippeimpfung denke, da lässt ja zum
00:17:02: einen die Immunität nach und andererseits verändert sich das Virus.
00:17:05: Haben wir schon darüber gesprochen?
00:17:07: Aber so ein langanhaltender Impfschutz, wie ihr
00:17:10: ihn jetzt erforscht gegen unterschiedliche Varianten.
00:17:12: Also kann der auch gegen unterschiedliche Varianten helfen oder
00:17:15: muss der dann auch noch mal angepasst werden?
00:17:18: Ja, das ist eine ganz, ganz spannende Frage,
00:17:21: die auch auf jeder Fachdiskussion immer irgendwann aufkommt.
00:17:23: Und auch eine Frage, die mich persönlich
00:17:25: in der Vergangenheit viel beschäftigt hat.
00:17:27: Da wird tatsächlich auch an COVID-Impfstoffen gearbeitet haben,
00:17:29: wo das ja wirklich ein Ding war.
00:17:31: Also in dem Moment, wo die Impfstoffe draußen
00:17:33: waren, kamen dann erst die ersten Varianten, dann
00:17:36: kam Omicron, dann funktionierten die Impfstoffe nicht mehr.
00:17:38: Das ist wirklich wichtig, auch bei Influenzaviren ein ganz großes
00:17:42: Problem und auch ein Thema, das uns tatsächlich sehr beschäftigt.
00:17:45: Wir haben hier wirklich tolle Daten.
00:17:47: Ich hatte schon mal kurz über diese Sechs-Monats-Studien
00:17:50: in Hamstern gesprochen, die wir gemacht haben.
00:17:53: Das war mit einem Prototyp-Impfstoff gegen Covid, den wir entwickelt haben,
00:17:57: und dieser Prototyp-Impfstoff, den wir hier genutzt haben, der war gerichtet
00:18:00: gegen die Indexvariante, also die allererste Variante von SARS-CoV-2, genau
00:18:04: wie die ersten Impfstoffe, die auch für Menschen entwickelt wurden.
00:18:08: Und hier haben wir aber nach sechs Monaten geguckt, wie
00:18:11: sieht es jetzt mit dem Impfschutz gegen Omicron aus?
00:18:14: Wir wussten zu dem Zeitpunkt das mRNA-Impfstoffe, die gegen die Indexvariante
00:18:17: gerichtet sind, schon nicht mehr oder nur noch sehr schlecht funktionieren.
00:18:21: Und wir wollten eben schauen, wie
00:18:23: sieht es mit unserem Impfstoff aus?
00:18:25: Und wenn wir uns das über die Zeit angeschaut haben,
00:18:28: dann haben wir gesehen, dass unser Impfstoff kurz nach der
00:18:31: Impfung tatsächlich nicht gegen Omicron schützen würde, genau wie erwartet.
00:18:34: Wenn wir jetzt aber länger gewartet haben, nach drei
00:18:37: Monaten und vor allem nach sechs Monaten, dann fingen
00:18:40: diese Hamster auf einmal an, eine effektive Immunität gegen
00:18:43: Omicron aufzubauen und die Tiere waren am Ende.
00:18:46: Wir haben sie dann sogar mit Omicron infiziert,
00:18:48: weil wir so überzeugt von den Daten waren.
00:18:51: Die Tiere waren vollkommen gegen Omicron geschützt und sogar
00:18:54: gegen die BA.5 Variante, die noch später kam.
00:18:56: Und das hat damit zu tun, dass diese Persistenz des
00:19:01: Antigens, also der Umstand, dass das Antigen wirklich immer da
00:19:05: ist, dieses Training kann kontinuierlich stattfinden, dass das Immunsystem so
00:19:09: hoch qualitativ aufgebaut wird, dass es auch wirklich divergente Varianten
00:19:13: erfassen kann, also zum Beispiel in unserem Fall BA.5.
00:19:17: Das heißt, unser Impfstoff kann voraussichtlich bis zu einem sehr weiten
00:19:22: Grad mit der viralen Evolution mithalten aufgrund der hochqualitativen Antworten.
00:19:26: Aber das möchte ich auch mitschicken.
00:19:28: Wir haben dann noch mal geguckt mit den ganz neuen Varianten
00:19:33: oder damals neuen Varianten XBB und was da alles kam.
00:19:36: Und das hat ein Limit, das geht nicht unendlich weit.
00:19:40: Also wir glauben, dass unsere Technologie ein besseres Training
00:19:43: für das Immunsystem bietet als die bisherigen Technologien.
00:19:46: Aber auch das hat Grenzen.
00:19:48: Und ja, wenn ein Virus so stark mutiert wie Influenza
00:19:52: oder SARS-CoV-2, dann wird man wahrscheinlich nach einer gewissen
00:19:55: Zeit auch auf Auffrischimpfungen oder andere Technologien zurückgreifen müssen.
00:19:59: Es ist ja auch eine wichtige Info und ich meine,
00:20:02: wenn es dann aber eben heißt, ich muss es nicht
00:20:05: jedes Jahr machen, sondern weiß ich nicht, vielleicht alle fünf
00:20:08: Jahre oder so, da ist ja auch schon mal
00:20:11: viel gewonnen, weil ja, man könnte sich ja auch
00:20:14: vorstellen, dass es auch da natürlich so Impfreaktionen gibt.
00:20:16: Ich war nach jeder Corona jeden Fall einen
00:20:19: Tag immer ausgeknockt danach und das muss man
00:20:21: ja auch nicht so häufig vielleicht haben.
00:20:24: Genau.
00:20:24: Was lernt ihr denn eigentlich jetzt neben dieser
00:20:27: konkreten Impfstoff Entwicklung auch über unser Immunsystem und
00:20:31: auch um über diesen möglichst langanhaltenden Impfschutz?
00:20:33: Ja, da gibt es ganz viele Sachen, die wir lernen.
00:20:37: Und wir wissen auch manchmal gar nicht,
00:20:40: wo wir anfangen sollen zu schauen.
00:20:43: Was besonders interessant ist, ist eben dieser
00:20:45: Umstand, dieser langanhaltenden Effekt der Immunität.
00:20:48: Das ist wirklich was Neues.
00:20:50: Man sieht das schon, wenn Menschen mit den humanen Herpesviren
00:20:54: infiziert sind, aber in einem Impfkontext, was es bedeutet,
00:20:58: wenn unser Körper langfristig Antikörperlevel und zirkulierende CD8-T-Zellen aufrechterhält,
00:21:02: das wäre das erste Mal, dass das jemand schafft.
00:21:06: Und das zu beobachten und zu gucken, wie lange das funktioniert
00:21:10: und die Viren in Schach halten kann, das ist wahnsinnig spannend.
00:21:15: Und wenn man jetzt ein bisschen mehr in der Immunologie guckt,
00:21:20: dann muss man natürlich differenzieren zwischen zellulärer und humoraler Immunantwort, also
00:21:24: den T-Zellen und den B-Zellen und den Antikörpern, die die produzieren.
00:21:29: Und wie diese beiden Arme miteinander zusammenspielen.
00:21:32: Zytomegalieviren sind eigentlich dafür bekannt, ganz starke CD8-T-Zell-Antworten zu
00:21:35: machen, die immer besser werden über die Zeit.
00:21:39: Was aber erst vor relativ kurzer Zeit beschrieben wurde,
00:21:42: ist, dass das auch mit den BZellen so ist.
00:21:45: Und wir sind hier jetzt quasi wirklich an
00:21:48: der Front, würde man im Englischen sagen.
00:21:50: Also so ein bisschen an der Grenze zu gucken, wie entwickeln
00:21:54: sich diese B- und T-Zellen über die Zeit und welches Compartment
00:21:57: ist besonders wichtig bei den Infektionserregern, mit denen wir zusammenarbeiten?
00:22:01: Und hier kommt ein Aspekt, der für mich
00:22:04: persönlich ganz interessant ist Das sind biologische Geschlechtsunterschiede.
00:22:07: Ich habe zu dem Thema lange gearbeitet.
00:22:10: Während meiner Promotion und danach und man weiß,
00:22:13: dass Frauen und Männer unterschiedlich auf Impfungen reagieren.
00:22:16: Und auch hier zu schauen, wie sich diese langfristige Immunität bei
00:22:20: Männern und Frauen mit den B-Zellen und den T-Zellen unterscheiden kann.
00:22:25: Das finde ich wahnsinnig spannend, auch wenn das jetzt erst
00:22:28: mal nicht direkt was mit der Produktentwicklung zu tun hat.
00:22:31: Ich habe mal darüber nachgedacht, ob man den Ärzten vorschlagen
00:22:35: könnte, Männern und Frauen unterschiedlich stark dosierte Impfstoffe zu geben.
00:22:38: Das ist nicht auf sonderlich viel Liebe gestoßen,
00:22:41: aus Produktionskosten Gründen vermute ich mal, aber aus
00:22:43: akademischer Sicht ist das schon sehr, sehr spannend.
00:22:46: Und das zweite ist, Casper hatte das schon angesprochen.
00:22:49: Das Alter der Patienten ist am Ende auch ganz wichtig.
00:22:53: Wie verhält sich diese langanhaltende Antwort in älteren Erwachsenen,
00:22:56: die eine wichtige Zielgruppe sind, also 65 plus?
00:22:59: Und wie ist das mit kleinen Kindern,
00:23:01: wenn wir später mal Säuglinge impfen wollen?
00:23:04: Das sind alles Sachen, die sind wahnsinnig spannend und
00:23:07: die werden auch noch ein bisschen Forschung erfordern.
00:23:10: Ja, also diese Individualität auch im Immunsystem, die ist ja, glaube
00:23:13: ich, auch einfach ein bisschen tricky, gerade was Impfstoffentwicklung angeht und
00:23:17: also in der Entwicklung wahrscheinlich in der Theorie gut möglich.
00:23:20: Aber was du gerade sagtest an der Umsetzung
00:23:23: dann in der Produktion stößt das dann spätestens
00:23:26: auf Gegenwehr, weil es das Ganze komplizierter macht.
00:23:28: Eigentlich ja schade, weil man könnte davon profitieren wir als Gesellschaft.
00:23:32: Ich würde gern aber noch mal zu
00:23:34: ja zu dem Geschäftlichen sozusagen zurückkommen.
00:23:36: Was braucht ihr eigentlich noch?
00:23:38: Oder welche Schritte sind jetzt noch nötig für das Spin off?
00:23:42: Also wie ist so der grobe Zeitplan?
00:23:44: Ja, das erzähle ich sehr, sehr gerne.
00:23:46: Wir sind natürlich auch schon viel unterwegs zum Pitchen, um
00:23:49: mit späteren Geldgebern zu sprechen und ins Gespräch zu kommen.
00:23:53: Und das ist auch immer deren Lieblingsfrage.
00:23:55: Wir sind jetzt in der sogenannten präklinischen Proof-of-Concept-Phase.
00:23:58: Das bedeutet, wir zeigen jetzt noch mal abschließend,
00:24:00: dass unser Konzept wirklich im Tiermodell funktioniert.
00:24:03: Wir haben genau diesbezüglich mit den regulatorischen Behörden gesprochen,
00:24:06: um zu sehen, was möchte das Paul-Ehrlich-Institut dann sehen,
00:24:09: bevor es uns erlaubt, in den Menschen zu gehen,
00:24:12: denn wir können ja viel vor uns hin forschen.
00:24:15: Am Ende müssen die entscheiden, dass die
00:24:17: Daten, die wir haben, ausreichend sind.
00:24:19: Und da sind wir eben in der späten Phase, wir
00:24:23: planen, nächstes Jahr mit der sogenannten GMP-Entwicklung zu starten.
00:24:26: GMP steht für Good Manufacturing Practice, Das heißt, wir wollen
00:24:29: den Impfstoff so herstellen, dass der wirklich garantiert sauber ist
00:24:33: und den hohen Ansprüchen genügt, um als Medizinprodukt genutzt zu
00:24:36: werden, sodass Menschen damit dann auch behandelt werden dürfen.
00:24:39: Und sobald diese Entwicklung abgeschlossen ist, das ist dann
00:24:42: so Ende 28, wollen wir in die Toxikologie gehen.
00:24:45: Das heißt, da schaut man sich dann formal das Sicherheitsprofil
00:24:49: des Impfstoffes an, auch in enger Abstimmung mit den Sicherheitsbehörden.
00:24:52: Und das Ziel wäre dann, 2030 in die
00:24:55: sogenannte Phase eins klinische Studie zu gehen.
00:24:58: Also wir wollen gerne 2030 das erste Mal
00:25:00: mit unseren Impfstoffen Menschen zu impfen und auch
00:25:03: da wird zuerst geguckt ist der Impfstoff sicher?
00:25:06: Da schaut man gar nicht funktioniert das Konzept, sondern
00:25:09: es geht wirklich darum Können wir gesunde Erwachsene mit
00:25:12: diesem Impfstoff behandeln, ohne dass irgendwas Unerwartetes passiert?
00:25:15: Und danach würde man dann anfangen zu schauen.
00:25:18: Wenn das sicher ist, funktioniert der Impfstoff für Menschen auch.
00:25:22: Und das ist der allerwichtigste Punkt.
00:25:24: Business Jargon nennt man das Value Inflection Point.
00:25:27: Das heißt, da findet der größte Sprung statt zwischen Was wurde
00:25:30: in die Idee investiert und wie viel ist die Idee?
00:25:34: Ist die Idee dann wert für einen potenziellen Käufer?
00:25:37: Und hier gibt es eine Besonderheit, die ich ganz interessant finde.
00:25:41: Bei RSV ist es möglich, Menschen gezielt damit zu infizieren.
00:25:45: Das ist in Europa erlaubt.
00:25:47: Da gibt es Studien.
00:25:48: Zentren in Belgien ist zum Beispiel eins.
00:25:51: Das heißt, wir könnten, sobald wir wissen, dass der
00:25:54: Impfstoff sicher ist, Menschen impfen mit unserem Impfstoff und
00:25:57: könnten die dann gezielt mit RSV infizieren im Krankenhaus.
00:26:00: Und dann wissen wir, nach zwei Wochen funktioniert der Impfstoff.
00:26:04: Und das ist wahnsinnig spannend.
00:26:06: Das heißt, man braucht gar keine riesigen klinischen Studien
00:26:09: machen, um zu zeigen, dass unser Impfstoff funktioniert.
00:26:12: Und wenn wir das haben, das ist dann der
00:26:15: klinische Proof of Concept, dann wollen wir gern verkaufen
00:26:19: bzw uns mit einem großen Industrieentwickler, der dann
00:26:22: das mit uns zusammen auf den Weg bringt.
00:26:25: Denn was man nicht vergessen darf, bis ein Impfstoff
00:26:28: zugelassen und im Menschen landet, das kann eine halbe
00:26:31: Milliarde Euro kosten und das wird ein Braunschweiger Spin-off
00:26:34: höchstwahrscheinlich nicht alleine auf die Beine stellen können.
00:26:37: Das heißt, das ist der Punkt, wo wir uns dann
00:26:41: mit einem Pharmaunternehmen zusammentun und in die Entwicklung gehen.
00:26:44: Wichtig ist aber, Wir möchten an dieser Stelle nur
00:26:47: das Produkt kommerzialisieren, also unseren Impfstoff gegen RSV.
00:26:50: Die Technologien.
00:26:51: Also müssen wir dieses Maus-Zytomegalie-Virus und BIVACs, unsere Fähigkeiten,
00:26:54: bessere Antigene zu machen, die wollen wir behalten.
00:26:57: Und damit wollen wir dann die nächsten Impfstoffe entwickeln.
00:27:00: Das klingt auf jeden Fall schon sehr ausgereift,
00:27:03: aber ja, ich habe da noch ein bisschen.
00:27:06: Bis dann.
00:27:06: Meine Grippeimpfungen, die ich nur alle fünf Jahre
00:27:09: brauche, auf dem Markt ist sozusagen Stichwort Impfskepsis.
00:27:12: Wir haben jetzt sehr viel darüber gesprochen, vielleicht maximal
00:27:15: kurz erzählen, weil du hast ja auch als
00:27:19: Berater der WHO zum Thema COVID-19 Impfung gearbeitet.
00:27:22: Vielleicht magst du mal ein bisschen davon erzählen, was
00:27:25: deine Aufgaben waren und auch was ja was
00:27:29: euer Impfstoff in Sachen Impfskepsis eventuell verbessern könnte.
00:27:32: Weil wir haben ja gesehen gerade neue Impfstoffe, die
00:27:35: mRNA-Technologie, die ist auf sehr viel Gegenwehr gestoßen bei
00:27:39: der sowieso schon existierenden Impfskepsis in der Gesellschaft.
00:27:42: Das ist ein ganz, ganz wichtiger Punkt.
00:27:44: Der wichtigste Markt für Impfstoffentwicklung sind doch immer noch die USA.
00:27:48: Und da ist es ja nicht nur die Impfskepsis
00:27:51: der aus der Gesellschaft, die aus der Gesellschaft kommt,
00:27:53: sondern auch die, die aus der Politik kommt.
00:27:56: Das sind also auch für die Business Entwicklung
00:27:58: ganz wichtige Fragen, aber auch gesellschaftlich wichtige Fragen.
00:28:01: Wie du schon erwähnt hast.
00:28:03: Ich habe fünf Jahre lang als Berater, als
00:28:05: externer technischer Berater für die WHO gearbeitet.
00:28:08: An die Stelle bin ich gekommen, als ich
00:28:11: am Johns Hopkins meinen ersten Postdoc gemacht habe.
00:28:14: Die haben einfach Immunologie-Experten gesucht, die den Arbeitsgruppen an
00:28:17: der WHO geholfen haben, diese Corona Varianten irgendwie einzuordnen.
00:28:20: Denn die Varianten kamen so schnell,
00:28:22: dass zu dem Zeitpunkt niemand wusste.
00:28:24: Welchen Einfluss haben diese Varianten jetzt auf die Impfstoffe?
00:28:28: Funktionieren die Impfstoffe noch?
00:28:29: Und gibt es Unterschiede zwischen den mRNA-Impfstoffen und den etablierten
00:28:33: Technologien, den proteinbasierten Impfstoffen oder auch den vektorbasierten Impfstoffen?
00:28:36: Und das war genau mein Arbeitsbereich.
00:28:38: Das war am Anfang ein bisschen wild.
00:28:41: Also als ich damit angefangen habe, habe ich jeden
00:28:44: Abend jeden Abend einen mehrseitigen Bericht an die WHO
00:28:48: geschrieben, mit den neuesten Publikationen und den Implikationen.
00:28:51: Also auch Weihnachten, Geburtstag, Hochzeitstag.
00:28:53: Da war alles dabei.
00:28:54: Das habe ich ungefähr zwei Jahre lang gemacht
00:28:57: und dann hat sich das ein bisschen beruhigt.
00:29:00: Zum Schluss haben wir dann noch wöchentliche
00:29:02: Berichte gemacht und eben auch viel Auftragsarbeit.
00:29:05: Also wenn zum Beispiel die Omicron Variante kam, dann spezifische Einschätzung.
00:29:09: Mit dem Thema habe ich mich also sehr intensiv
00:29:12: beschäftigt und aber auch ganz, ganz viel darüber gelernt,
00:29:15: wie Technologien funktionieren, wie Industriepartner, aber auch gesellschaftliche
00:29:18: und politische Akteure, die Impfstofftechnologien nutzen und einschätzen.
00:29:21: Und um ein bisschen die Brücke
00:29:24: zu schlagen zu dem Thema Impfskepsis.
00:29:26: Impfskepsis ist ein sehr privilegiertes Problem.
00:29:28: Impfskepsis herrscht eigentlich nur vor in sehr reichen Ländern, die.
00:29:32: Was man nicht vergessen darf, ist es gibt auch noch andere
00:29:36: Regionen auf der Welt, wo Impfungen als ein großes Privileg empfunden
00:29:40: wurden und wo es quasi keine Skepsis gibt oder wenig Impfskepsis.
00:29:45: Und was wir mit unserer Technologie
00:29:47: versuchen zu adressieren, sind tatsächlich beide.
00:29:49: Ja, wir glauben schon, dass wir Impfskeptiker überzeugen können, dass Impfungen
00:29:52: vielleicht doch nicht so schlimm sind, wenn man nur einmal hin
00:29:56: muss statt drei bis fünfmal und das dann auch lange hält.
00:30:00: Aber was wir auch im Blick haben, sind
00:30:02: die Regionen auf der Welt, wo es einfach
00:30:05: wirklich schwierig ist, alle paar Jahre Impfstoffe hinzubringen.
00:30:08: Wenn wir diese Region bedienen können mit einem Impfstoff, der
00:30:11: einmal einem Kind gegeben werden muss und dann 20, 30
00:30:15: Jahre lang schützt, dann ist gesellschaftlich wirklich was vorangebracht.
00:30:18: Und das ist unsere Vision.
00:30:19: Sehr spannend.
00:30:20: Vielen Dank.
00:30:21: Jetzt habe ich noch zwei Fragen an euch beide.
00:30:24: Also, was ist so?
00:30:25: Du hast gerade eben gesagt, das fand ich wirklich wild.
00:30:28: Während der WHO-Arbeit hast du ja wirklich jeden Tag.
00:30:31: Da gab es gar keine Ausnahme.
00:30:33: 365 Tage im Jahr gearbeitet, auch vor allem dann abends noch.
00:30:36: Das ist ja jetzt hoffentlich nicht mehr so!
00:30:39: Was ist denn dein Ausgleich zur Arbeit?
00:30:41: Also den Job habe ich letztes
00:30:42: Jahr auch an den Nagel gehangen.
00:30:44: Das war dann auch in Ordnung.
00:30:46: Die Zeit war vorüber und ja, mein Ausgleich, das ist spannend.
00:30:49: Sowohl Casper als auch ich habe ganz junge Familien.
00:30:52: Also ich habe zwei Töchter.
00:30:53: Die Kleine ist jetzt fünf Wochen alt
00:30:55: und Caspar auch einen kleinen Sohn.
00:30:57: Und das ist, denke ich, unser wichtigster Ausgleich.
00:31:00: Tatsächlich und auch der Grund, warum ich dann gesagt
00:31:02: habe, mit der WHO, das ist dann genug.
00:31:05: Da ziehe ich persönlich ganz viel Energie raus.
00:31:07: Man kommt nach Hause und hat die Kinder, die Familie.
00:31:10: Und ich muss ganz ehrlich zugeben, da
00:31:12: bleibt gar keine Zeit für irgendwelche Hobbys.
00:31:15: Also einmal die Woche laufen ist das höchste der Gefühle.
00:31:18: Und ein bisschen im Garten Unkraut zupfen.
00:31:20: Aber das ist auch in Ordnung so, also
00:31:23: ich glaube, das ist eine ganz schöne Zeit.
00:31:26: Und diese Kombination aus der spannenden Startup
00:31:28: Journey und zu Hause die kleine Familie.
00:31:30: Ich glaube, besser kann es eigentlich gar nicht werden.
00:31:33: Klingt auf jeden Fall nach einem guten Ausgleich.
00:31:36: Caspar, kannst du das bestätigen?
00:31:38: Ist das bei dir auch so?
00:31:40: Oder gibt es noch was anderes, was
00:31:42: dich in deiner Freizeit ja runterbringt?
00:31:44: Wie du dich entspannst oder ablenkt von der Arbeit?
00:31:47: Ja, danke für die Frage.
00:31:49: Also mein Sohn, fast sechs Monate alt, ist wirklich ein Wunder.
00:31:53: Aber ich möchte auch noch gerne Fahrrad fahren.
00:31:56: Jetzt meistens zur Arbeit und das ist ja schon
00:32:00: mit mit jedem Wetter, mit Regen oder Schnee.
00:32:04: Ich fahre zur Arbeit und auch noch im Chor singe ich
00:32:08: einmal pro Woche und wirklich die Musik zu machen zusammen,
00:32:13: das lenkt wirklich ab von von der Arbeit mit Fahrradfahren.
00:32:17: Dann kann es nur noch ein bisschen nachdenken über
00:32:21: die Arbeit oder auch noch ein bisschen Zeit haben
00:32:25: für mich und der Zusammenarbeit mit anderen Menschen.
00:32:28: Auf jeden Fall vielen Dank!
00:32:30: So ganz zum Abschluss noch Was ist so euer
00:32:34: langfristiges Ziel, euer langfristiger Wunsch Und was möchtet ihr
00:32:38: vielleicht auch so in Bezug auf die Gesellschaft erreichen?
00:32:41: Ja, ich hatte das ja schon kurz ein bisschen angeteasert.
00:32:46: Da sind wir noch nicht.
00:32:48: Aber unsere Vision ist tatsächlich, dass wir
00:32:51: die vielen, vielen Kinderimpfungen zusammenfassen können.
00:32:53: Ein kleiner technologischer Aspekt, den wir noch nicht
00:32:57: adressiert haben, ist also Unser Vektor ist in
00:33:00: der Lage, ganz, ganz viele Impfstoffe zu kombinieren.
00:33:03: Unsere Vision für in 15, 20 Jahren ist eine
00:33:07: Kinderimpfung und momentan sind es in Deutschland zwölf und
00:33:11: also zwölf Auffrischimpfungen und das ist unsere Vision.
00:33:15: Und wie gesagt, damit adressieren wir in Deutschland ein Luxusproblem.
00:33:19: Aber ich glaube, in den anderen Regionen der Welt würden wir
00:33:23: ja wirklich was verändern und viel Impfschutz auch einfach zugänglich machen.
00:33:27: Das ist unser Ziel.
00:33:28: Wir sind auf jeden Fall gespannt.
00:33:30: Vielen, vielen Dank für eure Zeit.
00:33:32: Es war wirklich ein sehr, sehr spannendes Gespräch.
00:33:35: Ja, vielen Dank dir.
00:33:36: Henning Jacobsen und Casper Silvis erforschen Impfstoffe,
00:33:39: die uns langanhaltend vor Atemwegserregern schützen sollen.
00:33:41: InFact ist ein Podcast des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung GmbH, Braunschweig,
00:33:45: produziert von TVN, Corporate Media Creative Producer Rolf Rosenstock.
00:33:49: Und ich bin Julia Demann.
00:33:51: Das war die dritte Folge unserer dritten Staffel
00:33:54: und wir hören uns in Folge vier wieder.
00:33:57: Ciao!
00:33:58: Teile dieses Podcasts wurden in der Postproduktion mithilfe von KI bearbeitet.
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